Niendorf 2011

Etwas verspätet bedingt durch fehlendes Internet in meiner Wohnung hier der Bericht über die Regatta in Niendorf:

Der Wetterbericht ließ uns eigentlich vermuten, dass wir uns mit der Anreise Zeit lassen konnten, für Samstag konnte man nur auf thermische Winde hoffen, am Sonntag sollte mit dem Wind auch jede Menge Regen uns das Leben auf dem Regattakurs angenehm bereiten. Gut, jeder weiß das Windfinder und Co. nicht die verlässlichsten Quellen für meteorologische Vorhersagen sind und trotzdem schaut man doch immer noch nach was das Wetter einem bringt und das in immer kürzer werdenden Abständen je näher das Wochenende rückt. Ich muss auch zugeben ich war angespannt, etwas nervös vor dieser ersten wirklichen Standortbestimmung nach einem Winter in dem wir viel trainiert hatten, das leichte Unwohlsein kann aber auch durch die schlechte Nacht erklärt werden die ich im Nachtzug „Hans Albers“ von Passau nach Hamburg hatte.
Jeder weiß doch das am Freitag die Autobahnen A7 und A24 nicht als solche bezeichnet werden können, Jens Uwe und ich nutzten aber dann die vielen „Stops“ und die wenigen „Go´s“ um zu mutmaßen wo in dem starken Feld von 22 gemeldeten Booten wir wohl landen würden während wir mit den endlosen Kolonnen von Ostseeliebhabern unserem Ziel entgegenrollten. Aus dem Plan noch am Freitag aufzubauen und zu segeln wurde dann auch nichts anstatt dessen war dann nach Bier und Pizza etwas früher Feierabend, wir waren beide etwas angeschlagen.
Tolles Wetter UND Wind aus östlicher Richtung mit mittlerer Geschwindigkeit von 2bft erwartete uns dann am Samstag Morgen und das trieb alle Segler früh aufs Wasser. Alle? Nicht ganz alle. Ein kleiner Capricorn mit zwei unbeugsamen Seglern leistete dem Wettfahrtleiter immer noch Widerstand. Gemeint sind natürlich nicht Asterix und Obelix sondern Ecki und Sönke, die sich dann schließlich, nach einem allgemeinen Rückruf zum zweiten Versuch auch an der Linie einfanden. Dieser Zweite Versuch sollte Folgen haben, wehte doch am Startschiff eine schwarze Flagge, trotzdem waren dann 6 Teams nicht vorsichtig genug und fuhren einmal volle Punkte ein unter anderem auch wir und Jörg Gosche mit Hannes Pegel, übrigens das einzige mal das die beiden in dieser Serie mehr als einen Punkt aus einem Rennen mitnahmen.

An dieser Stelle eine kleine Exkursion in das Flaggenalphabet und ihre Bedeutung für den Regattasegler:
Flagge P(apa), weißes Rechteck auf blauem Grund gezogen bei 4 Minuten erlaubt den Seglern auch vor der Linie zu stehen solange sie vor „0“ noch einmal hinter die Linie eintauchen
Flagge I(ndia), schwarzer Punkt auf gelbem Grund, gezogen bei 4 Minuten, setzt die 1-Minuten Regel (Regel 30.1) in Kraft. Das bedeutet für die Steuermänner ab einer Minute vor dem Start bis „0“ sollte die Linie nicht mehr überfahren werden. Geschieht das wissentlich doch kann man diesen Verstoß aber wiedergutmachen in dem man Startschiff- oder Tonne rundet.
„Blackflag“, eine schwarze Flagge, gezogen bei 4 Minuten, verbietet ab einer Minute vor dem Startsignal das Überfahren der Linie (Regel 30.3). Wenn ein Boot identifiziert wird bei einem Überfahren, ist dieses Boot sofort Disqualifiziert. Sollte dieses Rennen dann abgebrochen und neugestartet werden, durch z.b einen allgemeinen Rückruf oder unfaire Bedingungen im Rennen selber, darf das identifizierte Schiff nicht bei dem Neustart des Rennens antreten, andernfalls wird das Resultat ein unstreichbares DSQ.

Einfach oder? Sollte man meinen und trotzdem fragt mich Jens-Uwe erstaunt warum da auf der Liste soviel Punkte auftauchen.
Jeder weiß das! Zumindest sollte es jeder wissen.

Zurück vom theoretischen Regelbuch auf die praktische Regattabahn, wo Jörg Gosche weit vorne seine einsamen Kreise (eigentlich nur Up and Down) zieht und hinter ihm gekämpft wird. So wechseln sich in den drei Rennen des Tages auf dem 2. Platz die Teams Bräuer, Tonne und Gierten ab, die Liste ist bunt durcheinander gewürfelt durch die Frühstarts. Das segeln an diesem Tag so ungewöhnlich schön für deutsche Verhältnisse, die Luft ist erstaunlich warm und der Wind konstant in Richtung und Stärke, es ist schon fast erholsam auf dem Regattakurs.
Abends gibt es wie gewohnt aus Niendorf verschiedene Suppen und Freibier und wir sitzen in der Sonne bis spät am Abend.

Der Sonntag brachte nicht den versprochenen Regen, aber der Wind kam mit guten drei bis vier Windstärken aus der angekündigten Richtung (Süd bis Südwest). So schön und „einfach“ der erste Tag gewesen war, so bereitete uns und einigen anderen Teams der drehende und böige, weil ablandige Wind gewisse Probleme. Der Wettfahrtleiter schickte uns noch einmal für drei Rennen auf die Bahn, so konnten wir unseren Frühstart aus dem ersten Rennen wegstreichen aber wir schickten dann direkt einen hinterher und so verbauten wir uns dann eine bessere Position als den 10.Platz im Endergebnis. Jörg gewann letztendlich vor Ecki und Chrisch auf dem 2. und 3. Platz. Hervorheben will ich hier nochmal die Leistung von Chrisch und Sanni die wieder einmal gezeigt haben wie gut sie mit diesen Bedingungen zurecht kommen, Respekt nach dem langen Winter. Aber auch das gesamte Organisationsteam gehört gelobt für diese tolle Veranstaltung die jedes Jahr wieder viele von uns anzieht.
Niendorf: nächstes Jahr wieder.

Jeder weiß das!

Gruß Max