Vom Fremdgehen und dem ersten Mal – am Walchensee…

Mein Umzug nach Passau hat mir nicht nur eine weite Anreise an die Ostsee beschert, sondern auch die Möglichkeit die eine oder andere Regatta auf einer der vielen bayerischen Seen mitzusegeln. Ein leeres Wochenende im Regattakalender, zumindest im Norden, wollte ich nicht zulassen und so fand ich mit einiger Hilfe aus dem veranstaltenden Club am Walchensee, Joachim Dangel dem Commodore der Klassenvereinigung für Bayern und nicht zuletzt dem F18 Forum, Hansjörg. Obwohl Hansjörg eigentlich eher mich fand. Egal wie herum, letztendlich hatte ich einen Platz an der Vorschot gefunden, ungewöhnlich für mich war nur das wir auf einem „Wildcat“ den höchstgelegensten See Deutschlands unsicher machen wollten, schließlich bin ich seit meinem Einstieg in die Klasse 2005, ständig nur auf Catamaranen des Typs „Capricorn“ gesegelt. Es mag zwar als Vorschoter keine weltbewegende Umstellung sein und doch muss man erst einmal einen Blick für die etwas andere Decksorganisation entwickeln, die bekanntermassen beim „Wildcat“ etwas aufwendiger gestaltet ist und so wirkt das Trampolin ganz schnell unaufgeräumt. Es fühlte sich für mich nach fremdgehen an und der böse Spruch von Jens Uwe ich solle doch ein Messer an Bord nehmen um mich losschneiden zu können, bekam eine ganz neue Bedeutung.
Als Student habe ich jetzt auch schon immer Freitags Wochenende und so konnten Hansjörg und ich schon ein Tag bevor die erste Wettfahrt stattfinden sollte die gut 75 Kilometer Strecke und mehrere hundert Höhenmeter von München zum Walchensee antreten, das ganze bei strömendem Regen dem schließlich auch der geplante Testschlag zum Opfer fiel. Denn die Verhältnisse an diesem See sind ähnlich denen des Gardasees. Gutes Wetter lässt eine kräftige Thermik entstehen, bei schlechtem Wetter ist tote Hose. Für Samstag ließ unter Berücksichtigung dieses Wissens der Wetterbericht nichts gutes vermuten, zwar riss die Wolkendecke am Vormittag langsam auf aber die Sonne sollte es weiterhin schwer haben. Wir waren aber schon froh als wir dann noch knapp 20°C und 1-2 Windstärken bekamen, war das doch ein immenser Anstieg zu den 6°C Lufttemperatur die wir aus den anderthalb Tagen zuvor kannten.
Über Nacht hatte es auf dem Herzogsstand, der sich bis zu 1800 Meter über NN erhebt, Schneefall gegeben und dementsprechend dick bekleidet traten die Segler der Klassen F18, Hobie 16 und Hobie 14 Samstagmorgens an um die letzten Restarbeiten an den Schiffen zu erledigen.
Samstagnachmittag dann: Leichtwindrennen. Und dafür das wir ausser der Strecke vom Campingplatz, wo die Boote und die meisten Segler untergebracht waren, bis zum Startschiff das in der anderen Ecke des Sees festgemacht hatte bisher gar nicht zusammen gesegelt waren schlugen wir uns dann auch ordentlich. Mit den Plätzen 12 und 14 in einem Feld von 20 Booten (22 hatten gemeldet!) konnten wir durchaus zufrieden sein vor allem wenn man die Dichte des Feldes betrachtet. Der bayerische Hobie Händler hat 12 „Wildcats“ ausgeliefert in den ersten Monaten dieses Jahres und so sah sich der Capricorn von Wolfgang Godderis einer immensen Übermacht an neuesten Wildcat Schiffen ausgesetzt, das Bild wurde noch erweitert durch eine handvoll Nacra Infusion, Hobie Tiger und einem, ebenfalls brandneuen C2.

Alles in allem waren das schon norddeutsche Verhältnisse wäre da nicht der See gewesen der natürlich seine ganz besonderen Merkwürdigkeiten hatte. Das Feld blieb bei dem wenigen Wind nicht nur am Start dicht beisammen und so entschieden kleinste Fehler über eine gute oder schlechte Platzierung, so mussten wir zum Beispiel nach einer Fehleinschätzung an der Leetonne auf der letzten Runde noch sieben Schiffe ziehen lassen. Es sollte bei zwei Rennen an diesem Tag bleiben denn schon auf der letzten Runde nahm der Wind nochmal dramatisch ab und so „hungerte“ sich das Feld zurück in die geschützte Bucht um bei wahlweise Spanferkel oder Renke (ein Fisch, gefangen im Walchensee) und natürlich dem guten bayerischen Bier den Abend ausklingen zu lassen, wobei wir schnell in die verschiedenen Vorzelte flüchten mussten, den Temperaturen zum Dank.

Schon früh am nächsten Morgen, bei klarem Himmel, konnten wir die Surfer und Kiter aufziehen sehen, ein gutes Zeichen also das wirklich die erwartete Thermik einsetzen und uns genug Wind bringen würde. Unser Wettfahrtleiter konnte es auch nicht erwarten endlich uns Segler im Trapez stehen zu sehen und so liefen das Feld auch schon gegen 11.00 Uhr aus, immer noch in totaler Flaute. Wir hatten uns schon mitten auf den See gekämpft als wir die Windkante von Norden auf uns zukommen sahen. Der Wind frischte dann auch weiter auf, zu jeder der vier Wettfahrten wurde es mehr bis wir am Ende in herrlichen 3-4 Windstärken bei Sonnenschein unseren Up-and-Down Kurs abfuhren. Mit zunehmender Windstärke wurde das Feld entzerrt. Einige der F18 Segler sind Umsteiger, vor allem aus der Hobie 16 Klasse, die jetzt ihre ersten Erfahrungen auf einem Katamaran mit richtigen Rümpfen und Segeln machen .
Von den Ergebnissen her konnten wir uns auch nochmals deutlich steigern im Gegensatz zum ersten Tag, nach den Plätzen 5, 2 und 9 bei einem Frühstart fanden wir uns dann auf dem insgesamt 9. Rang wieder. Wolfgang Godderis gewann letztendlich souverän nach mäßigem Start vor Joachim Dangel und Thomas Kappelmann auf den Plätzen 2 und 3. Als Preis gab es ein massives Holzfass inklusive entsprechendem Inhalt (Bier) mit der Bitte das Fass signiert und befüllt nächstes Jahr wieder mitzubringen.

Ich war zum ersten Mal am Walchensee und doch möchte ich jedem der es hören will diese Regatta „um´s Walchenfass“ ans Herz legen. Das Revier ist beeindruckend schön nicht nur zum Wandern sonder an warmen Tagen auch für den Segler. Man wähnt sich wirklich schon am Gardasee in Italien nur die Alpen liegen anstatt im Norden, im Süden und bei der Größe der Felder mit den neuesten Schiffen ist so eine Veranstaltung gerade für Teams aus der Mitte und dem Westen die Anfahrt wert.