Kieler Woche 2011

Kieler Woche: groß, laut, chaotisch und schlicht zu teuer dafür das im Schnitt mindestens ein Segeltag ausfallen wird. So oder so ähnlich ist der Tenor den man aus unserer Klasse von vielen vernimmt, mit der Ausnahme der 22 deutschen Teams die sich dieses Jahr im olympischen Revier von 1972 eingeschrieben hatten. Diese Teams wurden eines besseren Belehrt. Nicht nur der Wind spielte an allen Tagen mit, sondern auch die gesamte Organisation an Land wie auf dem Wasser war tadellos mit einiger weniger Ausnahmen aber dazu später. Die einzige Tradition die so wirklich aufrechterhalten wurde war der Regen der uns schon am Mittwochabend , den zweiten Tag des Sommers, in Empfang nahm und sich auch nie wirklich verzog bis zum Sonntagnachmittag.

„Das Segeln der Zukunft“ war wohl das Motto dieser 149. Kieler Woche, nur die F18 Klasse wurde von der multimedialen Berichterstattung, dem Live Tracking, den On-board Kameras, den Live Streams im Internet ,dem Helikopter und den Fotografen (noch) in Ruhe gelassen und so lag der Fokus auf der Bahn Delta auf dem aussergewöhnlichen Kurs, dem Inner und Outer Loop der benutzt wurde um die große Anzahl von A-Cats, Hobie 16 und eben den F18 zu trennen. Schon bei der Steuermannsbesprechung entstanden Unsicherheiten wo und wann welche Tonne wie oft zu runden sei und ob der geplante Flieger rüber zum Outer Loop nicht zu Riskant wäre bei dem angekündigten Wind. Ein Tiefdruck Gebiet über Norwegen hatte schon den Olympischen Klassen viel Druck gebracht und auch unsere Serie war zumindest an drei Tagen von dem starken Zusammenspiel von Wind und Welle geprägt. Und ja, natürlich gab es auch einige Mannschaften die aus dieser Schlacht als Verlierer hervorgegangen sind.

Zum diesjährigen Debüt Rennen von Helge und Christian, zogen sich die Nacra Teams auf ihre neuen Rümpfe die schon von gewissen Wildkatzen bekannte graue Haut, die ja auch liebevoll als „Rentnerbank“ bezeichnet wird aber das sollte keineswegs über die Nützlichkeit hinwegtäuschen. So waren in den ersten beiden Rennen gleich drei dieser Modelle weit vorne mit dabei, das dieses nur an den tadellos funktionierenden Rentnerbänken lag kann doch stark bezweifelt werden. Sachs konnten sich mit zwei Tagessiegen ganz vorne positionieren gefolgt von den üblichen Verdächtigen um Jörg, Andreas und Ecki. Klingt nach einer Routineveranstaltung und doch passierte den Teams an der Spitze in der 2.Tageswettfahrt ein Fehler der zum Abbruch des Rennens führen sollte. Genau genommen war es kein unmittelbarer Fehler der Segler. Vielmehr hatte der Wettfahrtleiter der Bahn Hotel, der Bahn die weiter westlich von unserer Deltabahn liegt, eine seiner Tonnen nicht festgemacht und diese trieb nun bei dem starken Westwind in unseren Kurs und wurde von uns als neue Tonne 2, die Tonne am Ende des Fliegers, benutzt was für uns im ersten Moment Erleichterung bedeutete, denn diese Tonne lag deutlich höher als die eigentlich zu rundene Marke. Kurz vor Ende der Wettfahrt wurden wir dann von der Bahn geholt und mussten uns zum Neustart formieren.

Das Rahmenprogramm in Kiel ist so gut wie altbewährt, wie jedes Jahr heizen United4 den Seglern der vielen verschiedenen Klassen ein, es kommt eine Internationale Stimmung auf, was eine schöne Abwechslung zu all den Regatten ist wo wir als Klasse unter uns bleiben. Nur bei den Mahlzeiten ist man in Kiel wirklich auf sich allein gestellt. Dieses Jahr wurde im Vorfeld organisiert das wir uns alle gemeinsam gleich an zwei Tagen zum Grillen treffen. Freitag und Samstag wurde also direkt nach dem Segeln der Grill angeschmissen und die gesponserten Würstchen und Bier ausgegeben. Wo also der Veranstalter es versäumt hatte sich um die Segler zu kümmern, haben wir in Eigenregie uns die Zeit nett gemacht und uns mit Leuten umgeben die ähnlich gesinnt waren und das mit minimalem Aufwand an Zeit und Geld. Ein besonderer Dank soll an dieser Stelle an Jens Uwe und Dieter Maurer gehen, die glaube ich Hauptsächlich zur Verpflegung beigetragen haben, aber natürlich auch an alle anderen die an diesem netten Abend mitgewirkt haben. In solchen Momenten freue ich mich besonders in dieser Klasse mitsegeln zu dürfen und wir sollten versuchen solche Aktionen auch in Zukunft wieder zu veranstalten.

Gesegelt wurde neben all dem Grillen natürlich auch noch, am Freitag und Samstag insgesamt 7. Wettfahrten bei den besten, wenn auch extremen Bedingungen. Der Wind wehte weiterhin ziemlich konstant aus West und die Schauer die mit den Wolken über der Bahn niedergingen störten kaum jemanden, die Rennen sorgten für genug Bewegung und Spannung. Ausser zwei „Patzern“, so beschrieben es die Segelreporter später, segelten Sachs immer vor dem Feld. Andreas John, der mit neuen Rümpfen noch schneller fuhr als an den Wochenenden zuvor, lieferte sich ein packendes Duell mit Jörg Gosche um den direkten Platz dahinter, Ecki lag vor dem letzten Tag durch einen Defekt schon fast ausser Reichweite auf Platz 4. Dahinter wie aufgereiht die Verfolger der Spitzengruppe, die vielen spannenden Positionskämpfe hier aufzuzählen würde den Rahmen sprengen, die Geschichten werden sicherlich alle zur Genüge bei dem nächsten KV- Grillen rausgeholt. Erwähnt sei vielleicht noch Harry Schmeink der von einer Karriere im Starboot mit dem lettischen Olympia Team abgesehen hat und jetzt doch wieder bei den F18 mitsegelt, Welcome Back!
Einen unerfreulichen Unfall gab es dann doch auf der Bahn, Stephan Stüven touchierte bei einem engen Manöver an der Luvtonne mit einem gegnerischen Boot und musste im Krankenhaus behandelt werden und trägt jetzt einen Gips für mehrere Wochen. Wir wünschen dir alles gute Stephan, erhol dich schnell wir wollen dich wieder auf der Bahn sehen!

Am Abschlusstag hatte sich der Wind verzogen, wir mussten uns Sorgen machen ob wir überhaupt noch einmal den Weg zur Bahn antreten durften, der Wetteronkel auf dem großen Bildschirm machte uns nicht zu viele Hoffnung. Bevor wir uns aber aus Kiel verabschieden konnten löste die Sonne den Regen und die Wolken ab die uns seit Tag 1 begleitet hatten und mit mäßigem Druck segelten wir schließlich doch noch einmal über die Bahn. Ecki konnte mit einer Bootslänge Vorsprung im Ziel seinen 4. Platz vor Jens Uwe verteidigen und plötzlich war auch Martin mit seinem C2 wieder da, der an den Tagen vorher passen musste. Ganz vorne sicherten sich Andreas John und Sven Lindstädt den 2.Platz vor Jörg Gosche und Hannes Pegel. Sachs gewannen mit (fast) lupenreiner Weste.

Diese Kieler Woche hat wirklich beide Sachen vereint: den Spaß auf und neben der Regattabahn. Um unseren Sport und unsere Klasse im speziellen mehr in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken, bietet die Kieler Woche eine ideale Plattform. Um Teil der Zukunft des modernen Segelsports zu sein und in den nächsten Jahren auch zu bleiben wäre es wichtig weiterhin so starke Felder zu stellen wie bisher und vielleicht schaffen wir es ja nächstes mal die 40er Marke zu knacken.

Gruss Max