EM Las Palmas

Nach der (Sommer) Saison ist vor der (Winter) Saison, das hat schon Sepp Herberger so oder zumindest so ähnlich beschrieben. Die Eindrücke aus der Segel-Saison 2011 sind noch gar nicht richtig verarbeitet da steht schon die nächste an, und die führt sich dann auch gleich mit einem Paukenschlag ein. Auf bekanntem Terrain im Königlichen Wasserport Club zu Las Palmas wurde die vorgezogene EM 2012 ausgetragen.

85 Teams hatten den Weg auf die größte der kanarischen Inseln gefunden was die Beliebtheit dieses „Winterparadies“ für Wassersportler unterstreicht und den Trend fortsetzt nach dem immer mehr Teams die Vorzüge eines solchen Winterlagers genießen wollen. Die deutsche Kapphengst – Container Gemeinde hatte sich wie jedes Jahr in gewohnter Besetzung zusammengefunden, nur die Neulinge Martin Friedrichsen und Finn Heeg hatten keine Reviererfahrung, wobei jedes Team seine ganz speziellen Vorlieben hat die von 3-Gänge Mittagsmenü bis „geile Dünung und Ballermann“ reichen. Zusätzlich hatten sich die „Holländer“ Jörg und Arne Gosche, Stefan Vogel mit Jakob Schwermer und Thomas Wich mit Hartwig Fehrendt eingeschifft, dazu kamen noch die Wahl-Fuerteventurianer Thomas Haupt und Johanna Hector. Also ein, von der reinen Teilnehmerzahl sehr starkes deutsches Team das nach ein paar Tagen Training unter vollem Wind einer Veranstaltung unter perfekten Bedingungen entgegensahen.

Leider kamen die Genießer unter den Seglern nicht so ganz auf ihre Kosten. Am Wochenende vor der Veranstaltung kam der Wind Nord-Östlich warm aus der Sahara mit ordentlicher Stärke, entsprechend waren die Wellen ordentlich hoch. Zum ersten Wettfahrttag drehte der Wind und kam mit nun geringer Stärke aus Süd-Ost. Die Welle aber blieb stehen, wobei jetzt die Richtung der Welle nicht mehr mit der des Windes übereinstimmte. Zwei wichtige Aspekte also, die auf den taktischen Schlägen beachtet werden mussten.

Die ohnehin schon nervenaufreibende Position des Steuermanns wird durch diese Gegebenheiten zu einer kraftvollen Arbeit die nebenbei auch ein hohes Maß an Konzentration fordert. So muss jede Welle auf die selbe Weise angefahren werden, ein auf dem Papier einfacher Vorgang. Beim Anfahren eines Wellenkamms wird angeluvt, noch vor erreichen des Kamms das Abfallen eingeleitet um Geschwindigkeit beim herunter-surfen zu gewinnen und im folgenden Wellental beginnt dann das Spiel mit dem heraufluven auf den Kamm wieder von vorn. Wehe! eine Welle wird nicht richtig genommen und das Boot baut keine Geschwindigkeit auf bzw. verliert an Geschwindigkeit, dann hilft nur eine rabiate Lenkbewegung und ein schnelles Stoßgebet Richtung Böengott um den totalen Stillstand zu verhindern.

Genügend Teams hatten mit diesen Bedingungen zu kämpfen aber schon nach den ersten Rennen sind die ganz großen Namen an der Spitze. Erstaunlich zu beobachten eine Art „Heimvorteil“, zwei spanische Crews aus dem gastgebenden Club fuhren ganz weit vorne mit, noch nie war die Erfahrung über das Revier so von Vorteil. Bemerkenswert auch der tolle Einstieg der Sachs in diese Regatta, die sich sichtlich wohl fühlten in diesen Bedingungen und toll loslegten mit den Plätzen 8,11 und 1, nur wenige konnten auf diesem Niveau mithalten. Vor dem ersten Start hatten wir noch das Vergnügen mit den beiden die Seiten zu testen, aber im Rennen konnten wir trotz des vermeintlichen Wissens um die Seitenvorteile kein Land sehen und so kamen wir nur mit Glück in das extrem niedrig angesetzte Zeitfenster von 15 Minuten, nach denen das Ziel geschlossen wurde. Das geschah zum Ärger von über der Hälfte des Feldes das zu dem Zeitpunkt noch auf der Bahn kämpfte. So fuhren an diesem Tage viele Teams ihre Streichergebnisse.

Dass ein so niedriges Zeitlimit bei der größe des Feldes und diesen anspruchsvollen Bedingungen keinen Sinn machte bemerkte die spanische Regattaleitung und änderte es für den zweiten Tag prompt. Das war aber auch der einzige, beeinflussbare Faktor zur Verbesserung des Renngeschehens. Der Wind wehte gleichbleibend schwach und die Laune vieler Segler nahm eher ab. Zum Glück hat der Segel Club dort unten einige Ablenkungsmöglichkeiten im Angebot. Arne, Finn und ich haben uns regelmäßig bis spät Abends kleine schwarze Bälle auf der Squash Anlage um die Ohren gehauen, während die anderen das Getränkeangebot des Restaurants fleißig nutzten und auf der Terasse den Kreuzfahrtschiffen beim Ein- und Auslaufen zusahen, natürlich erst nach der ein oder anderen Stunde im Whirlpool oder der Sauna und am Samstag gab es den „Classico“ zwischen Real Madrid und Barcelona im Clubeigenen Kino serviert. Zeit zum Ärgern über schlechte Ergebnisse blieb also eigentlich kaum.

Pünktlich zur Halbzeit der Regatta, dieses mal ohne Qualifikationsmodus, wurde uns dann auch ein Lay-Day mangels Wind gegönnt. Das Zwischenfazit fiel sehr unterschiedlich aus. Sehr erfreulich aus deutscher Sicht: Sachs liegen durchaus mit Siegchancen immer noch unter den besten 10 und für Andreas John mit Sven Lindstädt sowie Thomas Haupt mit Johanna Hector sind die Top 20 in Sichtweite. Dahinter ist noch alles möglich. Viel Spannung also vor den letzten beiden Tage und auch der Wind versprach Verbesserung!

Aber auch am Samstag, dem vierten Wettfahrttag, blieben die Trapezgurte unbenutzt, der Wind drehte nur etwas weiter östlich und ließ die Welle auf der Kreuz von vorne kommen. Die Bootsgeschwindigkeit sinkt dadurch weit unter die des Windes. Mehr als zuvor musste jetzt der Richtige Rhythmus gefunden werden beim Aussteuern der Wellen. Die Seitenwahl war jetzt kaum noch ernsthaft entscheidend. Verloren hatten diejenigen die mit Abwinden in der Welle hängen blieben. Gebremst durch die Wellen wurden auch jetzt auch Frühstarts etwas seltener und taktische Schläge wurden auf wenige Wenden reduziert.

Sonntag dann endlich Wind und gleich lief das Schiff flott durch die Dünung. Auch bei uns an Bord konnte man den Aufwind spüren bis uns dann vor der ersten Luvtonne beide (!) Steuerbordtrapeze rissen und wir beide samt „Battlestick“ unserem Schiff beim Kentern zusehen mussten. Danach konnten wir trotz „Startboot-mäßigem“ Ausreiten nicht mehr die Geschwindigkeit der Gegner mitfahren, weil jetzt zum ersten mal während dieser Woche Doppeltrapez Wind herrschte. Die guten Bedingungen nutzen konnten die Sachs die diese Serie mit einem tollen fünften Platz beenden konnten, wobei nur drei(!) franzözische Teams und ein spanisches vor den beiden landen konnten. Verdienter „Master“ Titel für die beiden also und nachdem sie diesen Titel im Sommer schon in Ungarn geholt hatten sind sie jetzt sowohl Europa- als auch Weltmeister in dieser Kategorie. Glückwunsch!