Formula-18-Flotte am Wind während einer Regatta

European Tour Act 4 – Final

Bericht von GER 26 · Club Hellecat · Hellevoetsluis, Niederlande · 25.–27. September 2026 · 36 Boote · 10 Wettfahrten

Die European Tour ist eine Regattaserie mit Stops in Barcelona, La Rochelle, Dervio am Comer See und Hellevoetsluis in Holland. Beim Club Hellecat in den Niederlanden stand mit „European Tour Act 4 – Final“ die vierte und letzte Regatta der Serie an.

Formula-18-Katamarane mit gesetzten Segeln auf dem Sandstrand beim Club Hellecat in Hellevoetsluis

Ankunft

Bei unserer Anreise am Vortag wurden wir standesgemäß empfangen: Ein kleiner blauer Trecker zog die Anhänger auf den Strand. Zurückgelassen wurde dabei für die rund 50 Meter niemand, wer wollte, konnte aufspringen und vorne auf der Anhängerdeichsel stehend mitfahren – für uns natürlich ein Spaß-Bonus. Während wir und GER 55 unsere Boote vor einem tiefroten Sonnenuntergang hinter dem Damm aufbauten, hatten GER 121 und DEN 11 den ersten Schlag auf dem Wasser schon hinter sich und widmeten sich bei einem kühlen Getränk dem Fachsimpeln.

Masten der aufgebauten Katamarane vor tiefrotem Sonnenuntergang hinter dem Damm in Hellevoetsluis

Tag 1

Am ersten Regattatag war um 10:30 Uhr Steuerleutebesprechung, das erste Ankündigungssignal auf dem Wasser folgte um 12:00 Uhr. Flachwasser, Süßwasser – sehr angenehm von den Gegebenheiten. Tag 1 hatte eher untere Windstärken mit 5–9 Knoten zu bieten, so waren bei den drei Wettfahrten ein gutes Auge auf dem Wasser, ein Quäntchen Glück für die richtige Seite und viel Liebe zum Detail beim Gewichtstrimm gefragt. Nachdem der Kurs im ersten Rennen versehentlich doppelt so lang ausgelegt war wie geplant, kam bei diesen Bedingungen zunächst fast Langstreckenstimmung auf. Die Korrektur erfolgte aber sofort ab dem zweiten Rennen auf eine angenehm knackige Länge, immer mit zwei Runden.

Formula-18-Flotte kurz nach dem Start, im Vordergrund Motorboot und orange Starttonne, dahinter der Deich

Ergebnis nach Tag 1: Punktegleichstand zwischen dem Erstplatzierten und uns – SWE 111 und GER 26 mit jeweils 5 Punkten. Abends gab es ein vom Club organisiertes Essen mit Foodtruck und viel gute Stimmung unter den Seglern. Das deutsche Team blieb weit am längsten, unter vielen Geschichten und Gelächter.

Tag 2

An Tag 2 gab es etwas mehr Wind mit 6–11 Knoten, dazu Wind aus der Gegenrichtung – komplett andere Bedingungen und schwer zu lesen. Es wurden fünf Wettfahrten gesegelt, um für den Folgetag mit wieder etwas geringerer Windvorhersage vorzubauen, sodass am Sonntag nur noch maximal drei Wettfahrten offen waren.

Formula-18-Katamaran am Wind, Steuermann und Vorschoterin im Doppeltrapez, dahinter ein Windrad

Hier tauchte nun ein neues Team an der Spitze auf: NED 50 hatte in einem Großteil der Rennen die Nase vorn, konnte die Führung nicht immer bis übers Finish halten, fiel aber eindeutig durch eine für die Gegner unangenehm hohe Bootsgeschwindigkeit auf. Dem dennoch weiterhin führenden Team SWE 111 konnten wir, Jesse Lindstädt und Editha Wendeborn auf GER 26, zweimal den Rang abluchsen, indem wir uns auf der Zielgeraden – einmal sogar erst auf der Strecke vom Gate ins Ziel – noch vor ihn schieben konnten. Die Reaktion war akustisch beeindruckend und ist an dieser Stelle leider nicht zitierfähig.

Auch Jesse ließ sich im dritten Rennen zu Gefühlsausbrüchen hinreißen: Wir versuchten, direkt an der Topmark an Position 3 nach der ersten Upwind-Strecke von links kommend NED 50 zu unterwenden und noch zur Marke zu kommen – und mussten dann feststellen, dass auch wir nicht gegen den Wind segeln können, während NED 50 die Tonne selbst nur gequetscht erreichen konnte. Das führte zu mehreren schönen Kringeln unter der Marke und uncharakteristischen Flüchen, während wir versuchten, zwischen dem nicht enden wollenden Strom ankommender Boote unseren Platz zu finden. Dies gelang viel zu spät und ließ unseren Hauptkonkurrenten SWE 111 in schier unerreichbare Ferne verschwinden. Durch die richtige Seite und genug Bootspeed konnten wir uns dann doch zumindest auf Platz 4 zurückkämpfen.

Formula-18-Crew unter rotem Gennaker bei leichtem Wind, dahinter der grüne Deich

Abends gab es dann ein selbstgekochtes Abendessen von Walter aus dem Club. Man sagt, er habe alles selbst gemacht und sechs Tage daran gekocht. Wow!

Tag 3

Am letzten Tag waren tatsächlich nur noch 4–6 Knoten auf dem Wasser, sehr drehend, fast schon umlaufende Winde. Der erste Start war für 11 Uhr angesetzt, aufgrund der vielen Windwechsel mussten wir aber doch länger warten. Ein Rennen wurde angeschossen, als dann aber die von rechts kommenden Boote unter Gennaker zur Luvmarke ziehen konnten, während links bei uns alles regulär blieb, wurde das Rennen abgebrochen. Fast schade (wenn auch fair), denn wir waren trotzdem an dritter Stelle um die Luvmarke gegangen, während der Schwede ausnahmsweise irgendwo mitten im Feld hinter uns feststeckte – und uns trennten nur 3 Punkte. Auch für GER 121 und GER 55 war es bis dato sehr gut gelaufen. Naja. Proberunde.

Im ersten Rennen, das dann auch zu Ende gesegelt wurde, sah es zunächst gar nicht gut für uns aus. Die andere Seite war wohl doch wieder mal besser, und es sah so aus, als würden wir als Elfte an die Topmark kommen. Als sich dort ein Gedränge bildete und sich zwei Boote querstellten, konnten wir vorbeihuschen und zumindest als Neunte den Gennaker ziehen. Während der ewig führende Schwede seine Erfolgsseite von der Upwind auch auf der Downwind versuchte, witterten wir eine Böe auf der anderen Seite, die uns prompt einige Plätze weiter nach vorne, aber immer noch weit hinter dem Schweden ins Gate pustete. Sowohl SWE 111 als auch wir blieben hochwärts auf unserer jeweiligen Seite, wir bekamen kurz fast Doppeltrapez-Wind und kamen oben als Vierte an, mit immer noch recht großem Abstand nach vorne.

Formula-18-Crew am Wind auf dem Haringvliet, im Hintergrund weitere Boote und Bäume am Ufer

Auf der letzten Downwind war einige Meter vor dem Gate nun fast gar kein Wind mehr, aber offenbar hatte sich die andere Seite als noch schlechter erwiesen, sodass wir kurz vor dem Gate nur noch knapp hinter BEL 1 und SWE 111 lagen. Der Schwede versuchte, uns durch eine Halse über uns den Wind zu nehmen, wir schafften es aber durch Tiefe, dennoch einen vollen Gennaker zu behalten und im Schneckentempo die entscheidenden gefühlten 10 cm nach vorne zu kriechen und uns die Nummer 1 zu erschleichen. Die resultierende, wiederum nicht zitierfähige Reaktion auf dem Schiff eins hinter uns führte letztlich dazu, dass auch BEL 1 noch zwischen uns gespült wurde.

Für die letzte Wettfahrt des Tages und mit dem damit anfallenden zweiten Streicher hieß es also: The winner takes all! Schwede vor uns – Schwede gewinnt. Wir vor dem Schweden – wir gewinnen. Position im Feld egal. Naja. Und dann waren wir nach der ersten Upwind als Zwanzigste an der Tonne …

Natürlich haben wir trotzdem nicht aufgegeben und es bis zum Ende versucht, fast hätten wir sogar noch einen Dritten daraus gemacht. Am Ende war der Schwede aber klar konstanter und holte sich verdient die 1.

Was für eine spannende, herausfordernde Regatta in einem klasse Clubgelände, mit so vielen engagierten Helfern und einem super Wettfahrtteam auf dem Wasser!

Wettfahrtboot des Club Hellecat mit zwei Helfern an Bord

Und danke an Sven, für die Bootsleihgabe und die schnellen Segel! ;)

Endergebnis Formula 18

Pl.Segel-Nr.Steuer / VorschotVereinPkt.
1SWE 111Jacob Lundqvist / David FanouillereYacht Club de France14
2GER 26Jesse Lindstädt / Editha WendebornLübecker Yacht-Club18
3BEL 1Patrick Demesmaeker / Gilles TasRoyal Belgian Sailing Club30
4NED 50Kathelijn de Bruijne / Sander de BoerZV De Roerkoning33
5NED 77Hans van Dam / Marius van DamKR en ZV De Maas44

10 Wettfahrten, 36 Boote, zwei Streicher. Weitere deutsche Boote: GER 55 (11.), GER 121 (17.), GER 361 (25.). Vollständige Ergebnisliste auf manage2sail →

Bericht: GER 26

Fotos auf dem Wasser: Laurens Morel, saltycolours.com

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