Travemünder Woche
Vier Segeltage, vier Mal raus, alle geplanten Wettfahrten reingeholt: Die Formula-18-Wertung der 137. Travemünder Woche hatte keinen einzigen verlorenen Tag. 19 Boote, 15 Läufe, jeden Tag Wind — und vier Tage, die unterschiedlicher kaum hätten sein können.
Tag 1 — lang, länger, Bahn mit Drachen
Donnerstag, drei Wettfahrten. 10–15 Knoten aus Nordwest, Sonne, etwas Welle — konstante Bedingungen, wie man sie sich für den Auftakt wünscht. Geteilt wurde die Bahn mit den Drachen, die parallel ihre Norddeutsche Meisterschaft segelten. Erster Gedanke: Das wird chaotisch. Tatsächlich ging es erstaunlich gut, die beiden Felder kamen sich kaum in die Quere.
Was auffiel, war die Länge: ein sehr langer Kurs, teilweise fast 60 Minuten pro Wettfahrt. Vorne dominierten die Finnen — Mikko und Kirsikka Räisänen auf FIN 5 legten mit 1‑3‑1 den besten Tag hin und lagen nach Punktgleichheit dank der zwei Laufsiege vor Jesse und Sven Lindstädt.
Tag 2 — noch länger, dann der Linksdreher
Freitag, vier Wettfahrten. Die Drachen hatten sich über den zu langen Kurs beschwert. Wir fragten uns ohnehin: zu lang? Die Antwort der Wettfahrtleitung war jedenfalls eindeutig — es wurde noch länger. Dazu wieder top Wind, etwas weniger als am Vortag, 8–12 Knoten, und dasselbe Muster: Auf so einer Strecke wird es ein Boatspeed-Rennen.
Bis eine Wettfahrt den Tag auf links drehte — im wörtlichen Sinne. Ein starker Linksdreher kam, das Führungspack fuhr nach rechts, um den langen Schlag zuerst mitzunehmen. Nur: Der Dreher hörte und hörte nicht auf. Nur eine Handvoll Boote interpretierte ihn richtig und blieb konsequent links — darunter Martin Friedrichsen und Björn Wendel (GER 372) sowie Dirk Bleiker und Maren Odefey (GER 20). So wurde es noch einmal spannend, bevor am Ende GER 372 mit einem Platz zwei und GER 20 einem Platz drei für ihre guten Riecher belohnt wurden.
TraveRace — Topfschlagen mit zehn Booten
Kurze Kuchenpause an Land, dann das TraveRace: kurze Bahn, tricky, und wie immer ein bisschen Topfschlagen. Zehn Boote, zwei Gruppen, ein Finale.
In Gruppe A gewannen Jesse und Sven Lindstädt, nachdem sie sich kurz vor Ende des Vorwinds noch die Führung von Charlotte Henkel und Leo Maechler (GER 8) geschnappt hatten. Gruppe B ging an Peter Melloh und Thomas Legler (GER 367).
Im Finale führten Charlotte und Leo, Jesse und Sven dicht auf den Fersen — und wieder holten sie sich das Boot auf dem letzten Downwind. Auf der letzten Kreuz nahmen sich beide Teams dann jeweils einmal gegenseitig die Vorfahrt. Am Ende siegten Jesse und Sven.
Tag 3 — Südwind, acht Wenden pro Kreuz
Samstag, fünf Wettfahrten. Jetzt eine andere Windrichtung: Süd — in Travemünde selten. Und entsprechend spannend. Teilweise acht Wenden auf einer einzigen Kreuz, sehr schwer zu lesen und ein gutes Stück Glückssache, die richtige Seite zu erwischen. Wer gepokert hat, pochte auf die Böe ganz rechts außen: Kam sie, war man der große Gewinner. Kam sie nicht — naja.
Dazu einige Kenterungen und viele Überholmanöver. Überraschungsteam des Tages war das KV-Boot GER 8 mit Charlotte und Leo: erste Regatta zusammen — und schon mal Erster und Zweiter an der ersten Luvtonne. Trotz Fehlstart am Morgen und verpasstem ersten Tag stand am Ende der Woche ein achter Gesamtplatz.
Tag 4 — Entscheidung um Platz drei
Sonntag, drei Wettfahrten auf kurzem Kurs bei trickigem Wind aus Südwest. Michael Melzer und Fabian Syring (GER 55) legten eine sehr starke Serie hin und machten den Kampf um Platz drei zwischen GER 55 und DEN 11 noch einmal richtig spannend. Am Ende verteidigten Jan Hedmann Jensen und Penny Wyon ihren Platz — mit einem einzigen Punkt Vorsprung.
An der Spitze blieb dagegen alles beim Alten: Jesse und Sven Lindstädt (GER 26) gewinnen die Travemünder Woche 2026.
Endergebnis Formula 18
| Pl. | Segel-Nr. | Steuermann / Vorschoter | Verein | Pkt. |
|---|---|---|---|---|
| 1 | GER 26 | Jesse Lindstädt / Sven Lindstädt | Norddeutscher Regatta Verein | 24 |
| 2 | FIN 5 | Mikko Räisänen / Kirsikka Räisänen | Suomalainen Pursiseura | 37 |
| 3 | DEN 11 | Jan Hedmann Jensen / Penny Wyon | Vallensbæk Sejlklub | 53 |
| 4 | GER 55 | Michael Melzer / Fabian Syring | Yachtclub Scharbeutz/Ostsee | 54 |
| 5 | GER 20 | Dirk Bleiker / Maren Odefey | Lübecker Yacht-Club | 96 |
15 Wettfahrten, 19 Boote, ein Streicher ab Wettfahrt 5. Vollständige Ergebnisliste auf manage2sail →
Fazit
Vier Tage, vier Mal Wind, vier verschiedene Gesichter der Ostsee: von der ewig langen Nordwest-Bahn über den Linksdreher bis zum seltenen Südwind mit Wende-Hip-Hop auf jeder Kreuz. Die Travemünder Woche zählt mit Faktor 1,4 zu den höchstbewerteten Ranglistenregatten der Saison — und hat sich dieses Jahr jeden Punkt davon verdient.
Alle Termine im Regattakalender 2026.
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